Berichte / Veröffentlichungen

In Goethes Leben war

Bad Ems ein Wendepunkt

Neues Buch bringt Neues ans Licht – Benefizprojekt für das Hospiz Rhein-Lahn

Es ist ein Buch, das unter manchem Weihnachtsbaum liegen könnte. Wie interessant es ist, das wurde bei seiner Vorstellung in der Bad Emser Brunnenhalle deutlich. Dr. Martin Schencking enthüllte, welche Bedeutung der Aufenthalt von Johann Wolfgang von Goethe in Bad Ems auf dessen Werk und kometenhaften Aufstieg hatte.

Das Buch „Sturm und Drang im Kaiserlichen Bad – Johann Wolfgang von Goethe in Bad Ems“, erschienen im Rhein-Mosel-Verlag (Zell), erhellt die bislang von der Wissenschaft kaum beleuchteten Aufenthalte Goethes in der Kurstadt an der Lahn in den Jahren 1772 und 1774. Den Erlös des Buches stellt sein Verfasser, Hausarzt, Palliativmediziner und Vorsitzender des Fördervereins Stationäres Hospiz Rhein-Lahn e.V., 1:1 dem kommenden Hospiz zur Verfügung.

„Dr. Schencking hat uns überrascht mit neuen Quellen, neuen Erkenntnissen und einem erfrischend neuen Blick auf Goethes Aufenthalte in Bad Ems“, sagte Dr. Hans-Jürgen Sarholz namens des Vereins für Geschichte, Denkmalschutz und Landschaftspflege Bad Ems. Er befand das Buch als gelehrt und zugleich spannend zu lesen, hervorragend recherchiert und dokumentiert und lobte zudem seine schöne Gestaltung mit vielen Abbildungen und Zeittafeln.

Bad Ems wurde für Goethe in seiner Sturm- und Drangzeit zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Nächtelang diskutierte er im Sommer 1774 hier mit dem Theologen und Philosophen Lavater und dem Philologen Basedow seinen Werther. Nächte durchtanzten sie auch und ließen es richtig krachen. Zwei Wochen nach seinem Aufenthalt an der Lahn erschienen die „Leiden des jungen Werther“. Eine Ungeheuerlichkeit in seiner Zeit, geht es darin doch um die Liebe zu einer verheirateten Frau und gar um Selbstmord. Friedrich der Große ließ das Buch, das zum Blockbuster wurde und Goethe über Nacht zum Shootingstar der damaligen Literaturszene machte, in Preußen verbieten. Goethe bereitete es den Weg nach ganz oben.

Als Goethe das erste Mal nach Bad Ems kam, befand er sich im Zustand einer tiefen Depression, kennzeichnete Dr. Schencking eine überaus traumatisierte Persönlichkeit, die körperlich und seelisch viel litt. Zeitlebens habe er ein gestörtes Verhältnis zu Sterben und Tod gehabt. Eine Tatsache, die Dr. Schencking u.a. auf ein traumatisches Erlebnis in Bad Ems zurückführt.

Am 30. Juli 1774 ertranken in der Lahn vier Knaben, die Krebse fangen wollten. Goethe scheint an deren Wiederbelebungsversuchen und Aufbahrung beteiligt gewesen zu sein. Das Ereignis findet fast 40 Jahre später seinen Niederschlag in „Wilhelm Meisters Wanderjahre“.

Goethes Lebensgeschichte ist für Schencking ein posthumer Park, in den man von jeder Seite eintreten kann. Das Studium seiner Briefe – ca. 30 000 davon verfasste der Dichterfürst – sei für ihn wie das Abtauchen in eine versunkene Welt, auf jeden Fall Entspannung. „Je älter desto mehr Goethe“, meint er. Schließlich habe Goethe uns auch heute noch viel zu sagen.

In der Tat seien Brüche und innere Kämpfe auch für die heutige Jugend aktuell, befand Landrat Frank Puchtler. Das wunderbar geschriebene Buch verweise nicht nur auf die Tradition, sondern eröffne dem Weltkulturerbe-Bad Perspektiven in die Zukunft. Schencking habe ein Herz für die Heimat und die Menschen bewiesen.

Bürgermeister Uwe Bruchhäuser wünschte sich von dem Autor, der auch ärztlicher Leiter des Impfzentrums ist, Auskunft über sein Zeitmanagement und einen zweiten Band, der Goethes Aufenthalt in Dausenau zum Thema hat. „Hut ab und Respekt“ sagte der Bad Emser Stadtbürgermeister Oliver Krügel über das Werk. Es sei erfreulich, dass die Bad Emser Geschichte in der Literatur vielfach ihren Niederschlag gefunden habe. Alle Redner dankten Dr. Schencking für sein großes Engagement zum Bau eines Hospizes für den Rhein-Lahn-Kreis.

Buchautor Dr. Schencking gab den Besuchern in der Brunnenhalle, in der seinerzeit auch Goethe weilte, ein Lebensmotto von Goethe mit auf den Weg: Krisen mit Demut und Zuversicht meistern.

Bei der Buchvorstellung in der Brunnenhalle (v.l.n.r.): Bürgermeister Uwe Bruchhäuser, Dr. Hans-Jürgen Sarholz, Dr. Martin Schencking, Landrat Frank Puchtler.

Der Autor Dr. Martin Schencking (r.) signiert ein Buch für Stadtbürgermeister Oliver Krügel (l.)

 

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